Einleitung

Die erste eLearning Didaktik Tagung…

Rund zehn Jahre ist es her, dass die ersten Notebooks Österreichs Klassenzimmer bevölkerten. Eine Handvoll Schulen startete mit dem eLearning im Unterricht. Seit sechs Jahren gibt es den von MR Christian Dorninger vom bm:bwk initiierten eLearning Cluster, in dem rund 60 Oberstufenstandorte eng in Fragen der eLearning Didaktik und der Organisation zusammenarbeiten. Derzeit haben rund 15.000 Schülerinnen und Schüler in Österreich im Unterricht permanent ein Notebook mit Internetanbindung vor sich.

Diese Fakten spiegeln die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung wieder: Die Generation unserer SchülerInnen hat beinahe zu 100% Zugang zu einem Computer und in zunehmendem Maße auch Zugang zum Internet. Die Kommunikation über elektronische Medien wie Handy oder Chat/Email wurde zur Selbstverständlichkeit. Es gibt praktisch keinen Arbeitsplatz mehr, an dem nicht ein computerartiges Gerät eine Rolle spielt. Vom Lagerarbeiter bis zum Generaldirektor/zur Generaldirektorin werden Computerkenntnisse und die entsprechenden Kommunikationsformen vorausgesetzt. Bildungsinstitutionen müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Anteil an informellem Lernen steigt: Wissen wird auch über Suchmaschinen, Foren und Weblogs gefunden. Verglichen mit der Einführung des Buchdrucks, der sich über drei Jahrhunderte zog, sind die heutigen gesellschaftlichen Veränderungen weit dramatischer: Die Umwälzung im Bereich Medien, Computer und Internet erfolgte in weniger als 3 Jahrzehnten, also innerhalb einer einzigen Generationen. Um den Anschluss an die gesellschaftliche Realität nicht zu verlieren, muss sich das Bildungswesen dieser Herausforderung stellen.

Institutionen im Bereich der Lehrer/innen- Aus- und Weiterbildung nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Das Pädagogische Institut des Bundes in Wien entwickelte vor drei Jahren einen Akademielehrgang für eLearning Didaktik, der bisher von 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Österreich absolviert wurde. Weitere 110 Lehrerinnen und Lehrer buchten und absolvierten den Lehrgang „Einsatz von Lernplattformen im Unterricht“.

Das bisher erarbeitet eLearning Know-how wurde dadurch professionell disseminiert und gemeinsam weiterentwickelt.
In diesem Zusammenhang steht auch die Idee zur vorliegenden Tagung, mit der Ziel, einen jährlichen Treffpunkt der österreichischen eLearning-Szene zu organisieren: Was ist state-of-art im eLearning im Unterricht? Welche zeitgemäßen Konzepte gibt es für die LehrerInnen-Aus- und Weiterbildung?

250 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Österreich folgten am 19. und 20. Oktober der Einladung des Pädagogischen Instituts des Bundes in Wien an das TGM:
Nach der Begrüßung durch OStR Brigitte Körbler hob Vizerektorin Prof. Ada Pellert in ihrer Keynote die Bedeutung des eLearning für die Lehre und die Organisationsentwicklung (OE) hervor. Nach der innovativen eLearning Pionierphase sieht Prof. Pellert vor allem im Bereich OE besondere Herausforderungen und Chancen für Schulen, Pädagogische Hochschulen und Universitäten. eLearning spielt bei der Professionalisierung und im „Community Building“ eine entscheidende Rolle.

In insgesamt 36 Beiträgen in drei Tracks hatten ExpertInnen und LehrerInnen Gelegenheit, sich in den Didaktikbereichen zu vernetzen. Die vorgeführten Unterrichtsbeispiele zeigten deutlich, wie Schülerinnen und Schüler in allen Unterrichtsbereichen wie Fremdsprachen, Informatik, Mathematik, Allgemeinbildung und Wirtschaft vom Einsatz von Lernplattformen und Notebooks profitieren: Neben dem souveränen Umgang mit den Medien erwerben die Schülerinnen und Schüler die wichtige Problemlösungskompetenz für das spätere Berufsleben. In diesem Zusammenhang präsentierten Universitäten und Pädagogische Akademien und Institute ihre eLearning und blended Learning Ansätze für die LehrerInnen-Bildung: Die Neuen Medien verlangen den Lehrerinnen und Lehrern eine berufliche Neuorientierung ab: Der Platz der Lehrperson ist nicht mehr ausschließlich hinter dem LehrerInnenpult.

Diesen Punkt hob Dr. Dorninger auch in seinem abschließenden Referat „eLearning im Schulwesen auf dem Weg nach Europa“ hervor: Die Schülerinnen und Schüler kommen heute bereits umfassend medial vorgebildet an die Schule. Schule wird nach Wim Veen immer mehr zu einem Ort der Begegnung und zur Festigung von Freundschaften. Darauf müssen sich heutige Lehrerinnen und Lehrer einstellen und der zielgerichteten Kommunikation mehr Raum geben.

Einen zentraler Punkt der Tagung stellten die Erwartungen und Wünsche der TeilnehmerInnen an das eLearning Center dar. Ein paar Überlegungen aus den eineinhalbtägigen Workshops seien hier stellvertretend genannt: österreichweites Angebot des eLearning Lehrgangs, Plattformen mit good practice Beispielen, eLearning train-the- trainer Kurse; Schulbücher und eContent für Notebookklassen; Initiierung von Forschungsvorhaben; Klärung von Copyrightfragen;. weitere Einbindung der Führungskräfte im Bildungswesen, Bereich Schule und Hochschule.

Diese Anliegen im Bereich eLearning werden von uns in die zukünftigen Pädagogischen Hochschulen eingebracht, die ab nächstem Schuljahr den Platz der Pädagogischen Institute einnehmen werden.
Die nächste eLearning Didaktik Tagung wird Ende Oktober 2007 stattfinden.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim „Nachlesen“ der spannende Beiträge aus den Bereichen Schule, Hochschule und Universität zur eLearning Didaktik Tagung

Wien, im Oktober 2006
Christian Schrack und Wolfgang Scharl